Das sogenannte Pestbild von 1542
Das Jahr 1347 markiert den Beginn verheerender Pestepidemien, die Europa ab Mitte des 14. Jahrhunderts als lokale Seuchenausbrüche in den nächsten drei bis vier Jahrhunderten beinahe regelmäßig in wechselnden Gebieten heimsuchten. Von den Zeitgenossen wurden sie der „Schwarze Tod“ genannt. Auch das Lenninger Tal blieb nicht verschont und wurde besonders in den Jahren 1542, 1572, 1574, 1610 und 1635 von der Beulenpest heimgesucht.

„Kein Stand, kein Geschlecht, kein Alter wurde verschont. Ganze Familien, ganze Dörfer starben aus. 1635 hatte Owen 544 Pesttote. Die furchtbar ansteckende Seuche zog von Haus zu Haus, von Gasse zu Gasse. […] Kein Arzt konnte helfen; denn bei den Leuten fehlte das Veständnis für ein hygienisches Verhalten.“ So schreibt Rudolf Locher in seiner Ortsgeschichte „Das Alte Owen“.(1) Zur Illustration ist das sogenannte Pestbild von 1542 abgebildet, es soll an alle diese schweren Jahre erinnern, insbesondere aber an das eine: das Jahr 1542.

Der aufmerksame Betrachter, nicht unvertraut mit apokalyptisschen Darstellungen der Pest, stellt irritiert fest, dass an den Figuren auf dem Bild nichts auf eine Erkrankung an der Pest hindeutet. Auch scheint die Komposition des Bildes in der Gänze unausgewogen, das luxuriöse Ruhebett in der linken oberen Ecke wirkt störend. Er fragt sich also, was für eine Botschaft das auf Holz gemalte Bild vermittelt, vermitteln soll. Und ob im Jahr 1542 die Pest in Owen wütete.

I. Annäherung an das Bild    Das Bild, eingefasst von einem massiven schwarze Holzrahmen mit gefräster Kontur in gealtertem Gold, wird umrahmt von einem beigen Passepartout, das oben und unten stärker ausfällt als an den Seiten rechts und links. Neben der bereits erwähnten Bildunterschrift findet sich in der Ecke unten rechts die Notiz „Erneuert 1893.“ Unter dem eigentlichen Bild, das sich firnisdunkel vom Passepartout abhebt, steht in zwei Zeilen ein Zitat aus dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus aus dem Lukas-Evangelium, gemalt in einer kunstvollen Fraktur aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.(2)

Vatter Abraham sende Lazarum das er nur das außwendigest thail in daß waßer tauche, vnd
labe meine zunge, dan Ich wirdt Sehr peiniget in disem flammen. Lucæam. 16. a(nn)o 1542.

Darunter in eine dritte Zeile sehr klein und kaum lesbar: Ren: 1675.

Im Heimatbuch des Kreises Nürtingen von 1953 wies der Kunsthistoriker Adolf Schahl (1908-1982) darauf hin, dass diese aus dem Lukasevangelium (16, 19-31) stammenden Zeilen dem Bild möglicherweise eine religiöse Aussage des Bildes verleihen:

Abb. 1: Das sog. Pestbild nach der Reinigung und Restaurierung im Jahr 2011. ➤ Bild vergrößern

„Das sog. Pestbild, ein angebliches Gedenkbild an die Pest von 1542, auch als Darstellung des Säubads bekannt, ist in Wahrheit eine Allegorie auf das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus und könnte aus einem Spital stammen. […] Im Hintergrund sieht man das Stadbild von Owen. […] Das im zweiten Viertel des 15. Jahrh. gemalte Bild wurde 1675 und 1893 übermalt.“(3)

Die von Schahl angenommene Entstehungszeit in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts steht in zeitlicher Nähe zur Ersterwähnung des Säubads im Jahr 1487 im Owener „Städtlenbuch“, dagegen zeigt die Kleidung der dargestellten Figuren die Modemerkmale der ausgehenden Renaissance im Übergang zum „spanischen Barock“ im 16. Jahrhundert, der zwischen etwa 1550 und dem Dreißigjährigen Krieg die Kleidermode prägte. Die männlichen Figuren tragen spanische Männertracht: zum Wams über dem Korsett kurze, den halben Oberschenkel bedeckende Hosen, dazu Trikotstrümpfe, die das Bein vom Fuß bis zum Oberschenkel eng umschließen.(4) Die in der Mitte stehende reichgewandete Dame ist mit einem knöchellangen Kleid unter der Schaube gekleidet und trägt als Kopfbedeckung eine Kalotte und ein Barett.(5) Sie gehört offensichtlich zum Adel oder gehobenen Bürgertum. Der neben der Dame im Vordergrund des Bildes stehende, übergroße, mit Eisenbeschlägen und einem Schloss gesicherte Opferstock versinnbildlicht plakativ die mit dem Lazarus-Gleichnis eingeforderte Mildtätigkeit. Zwischen der Dame und dem Opferstock befindet sich eine kleine rechteckige Fehlstelle, die eine Öffnung zu verschließen scheint. Dazu passt die Datierung in der Bildunterschrift auf das Jahr 1542.

Die Dame und der Opferstock werden links und rechts von jeweils zwei männlichen Figuren flankiert. Drei sind unverkennbar Invaliden: Die winkende Figur rechts am Bildrand geht aufrecht, jedoch mit zwei Achselkrücken. Die zweite Figur rechts kniet vor dem Winkenden auf Trippen(6), ihr fehlen die Füße. Der dritte Invalide, links im Bild, bewegt sich mit einer Kniekrücke (deren moderne Versionen auch heute noch in der Orthopädie Anwendung finden) und zwei Achselkrücken fort. Sein linker Unterschenkel ist rot verfärbt, die Oberschenkel des auf Trippen Knienden weisen ebenfalls Verfärbungen auf. Ob darin die Folgen einer Arteriosklerose mit einem Brand, d.h. eine Nekrose oder eine Gangrän, die zum Absterben von Gliedmaßen führen, gesehen werden können, lässt sich nicht entscheiden.(7) Der Vierte, links am Bildrand, scheint aus dem Bild zu gehen, für die drei löffelähnlichen Gegenstände in seiner linken Hand findet sich keine Deutung. In der linken oberen Ecke ist symbolisch das Säubad mit einem luxuriösen Ruhebett an einem See dargestellt(8), auf welchem sich ein Badegast von den Strapazen des Bades erholt. Darüber in einer hybriden Frakturvariante des 19. Jahrhunderts „Das Säubad“, rechts dazu „Kranke, welche in das Bad kom[m]en.“

Den Hintergrund des Bildes dominiert ein idealisiertes Stadtbild von Owen. Es zeigt unperspektivisch die südliche und westliche Seite der Stadt, letztere erstreckt sich augenscheinlich bis in den nördlichen Bereich der Stadtbefestigung, wo einmal ein Turm die nordwestliche Ecke der Stadtbefestigung sicherte. Die südliche Seite, die sich vom Knick etwas rechts vom mittleren Turm nach rechts hinzieht, endet dagegen bei dem Turm mit den zwei Fahnen. Der Theologe und Heimatforscher Alfred Klemm (1840-1897) erklärt diesen Knick damit, dass die „gezinnte, teilweise sichtlich gedoppelte (einen Zwinger bildende Mauer), welche die Türme verbindet, […] nicht weit rechts vom Mittelturm in gebrochener Linie schräg aufwärts [geht], ein Zeichen, daß von hier an eine andere Seite der Befestigungsanlage dargestellt sein soll.“(9) Dagegen erscheint der von den Stadtmauern flankierte Turm in der Mitte des Stadtpanoramas stark überhöht, er befindet sich an der Stelle, an der sich früher das „Törle“ befand. Über dem Tor ist bei genauerem Hinsehen ein Stadtwappen sichtbar, es ist allerdings nur die im Schildhaupt quer liegende Hirschstange eindeutig erkennbar.

Klemm vergleicht in seinem Beitrag, der nicht ohne Hintersinn mit „Das vermeintliche Bild der Burg Teck.“ überschrieben ist, das Tafelbild mit einem Gemälde in Öl, auf dem ein unbekannter Maler schon vor der Mitte des 18. Jahrhunderts das Stadtbild auf einen Berg versetzte und mit dem Schriftzug Die Teckh versah. Von diesem gebe es „zwei Nachbildungen“ aus dem vorigen Jahrhundert: „eines in der historischen Beschreibung von Württemberg durch Sattler (Teil II, Fig. 17) und ein etwas später um 1767 von Stadtpfarrer Burck in Owen“ aufgenommenes. Und kommt zu dem Schluss: dass sich das auf dem Tafelbild dargestellte Stadtbild „mit den noch sichtbaren oder durch Überlieferung gesicherten Resten der Stadtbefestigung von Owen wohl in Übereinstimmung bringen läßt, wenn auch die Perspektive nicht durchgängig richtig behandelt zu sein scheint.“(10)

Abb. 2: Andreas Kiesers Ortsansicht von Owen (Ausschnitt).

Die Ortsansicht Owens von Andreas Kieser (1618-1688) in den von 1680 bis 1687 entstandenen Forstlagerbüchern zeigt ebenfalls die Süd- und Westseite der Stadt und den Turm auf der Nordwestecke der Stadtbefestigung. Sie ist perspektivisch genauer und der Realität näher. Die Südwesteck der Stadtbefestigung (wo heute das Rathaus an der Stelle des im 30-jährigen Krieg zerstörten Stadtschlosses der Herzöge von Teck steht) ist eindeutig auszumachen. Das 1837 abgebrochene Obere Tor befindet sich bei Kieser an der richten Stelle in der südlichen Stadtmauer, auf dem Tafelbild ist es der rechte Turm mit den zwei Fahnen. Im Hintergrund wird die Stadt vom Hohenbol überragt.(11)

II. Infrarotreflektografie und Gutachten   Das Bild wurde zur Eröffnung des Geschichtshauses am 19. November 2011 umfangreich restauriert, neu gerahmt und über die während der Reinigung und Befundung gefundenen Ergebnisse wurde ein Gutachten erstellt. Die infrarotreflektorischen Untersuchung bestätigt und ergänzt, was an Offensichtlichem bereits beim aufmerksamen Betrachten auffällt.(12)

Abb. 3: Die Rückseite der aus dem Rahmen gelösten Bildtafel.
   
Abb. 4: In den Markierungen unmittelbar unter der Basis des Opferstocks sind Reste des Vorläufertextes erkennbar; in den übrigen Markierungen Retuschen am Text.
   
Abb. 5: Die rechte Seite der Stadt: links der Torturm am „Törle“, rechts das 1837 abgebrochene Obere Tor.

So zeigt sich an der Rückseite, dass die scheinbar aus einem Stück bestehende Tafel in Wirklichkeit aus drei Brettchen besteht. Das mittlere Brettchen, der Träger des Bildes, ist zweimal gebrochen und wurde mit zwei aufgeplatteten Holzspangen gesichert. Die Spangen, das obere und untere Brettchen wie auch der oben erwähnte Verschluss der Öffnung in der Mitte sind von einem anderen Holz als das mittlere Brettchen, welches zudem älter zu sein scheint.

Im Rahmen der maltechnischen Untersuchung wurde versucht, mit infrarotem Licht durch die Bildschichten hindurchzudringen, also gewissermaßen hinter die Kulisse von Firnis und obere Malschicht zu schauen. Auf den Infrarotaufnahmen werden bei allen Gegenständen und Figuren die kontrastierenden schwarzen Außenlinien deutlicher sichtbar als bei normaler Betrachtung, auch dass ein schwarzer Konturrahmen das ganze Bild umgibt. Für die Bildunterschrift lässt sich nachweisen, dass der Text im Jahr 1542 in Gänze neu aufgemalt wurde; die ursprüngliche Buchstabenfolge lässt sich jedoch nicht entziffern und ist möglicherweise auch nur noch fragmentarisch vorhanden. Sie ist wohl zeitgleich, heißt vor 1542 mit dem Tafelbild entstanden. Dafür treten Retuschen, die später am Text vorgenommen wurden, deutlich hervor. Diese sind wohl der Renovierung von 1675 zuzweisen.(13)

Insgesamt werden in den Infrarotaufnahmen viele Schäden in der Malerei sichtibar. Beispielsweise ist das Gesicht der linken, auf Krücken gestützten Figur nur noch zur Hälfte vorhanden, auch im Kleid der Dame sind Fehlstellen auszumachen. Schichtentrennungen, d.h. lose Partien der Malschicht sind mit Ausnahme eines schmalen Streifens links über die gesamte Malerei verteilt. Sie zeigen sich auf Grund ihres unterschiedlichen Reflektionsverhaltens hell refektierend. Die Malschicht wurde daher im Zuge kleinerer restauratorischer Eingriffe wieder fachgerecht mit dem Bildträger verklebt. Rote Farbreste im rechten Randbereich des Gemäldes lassen vermuten, dass das Gemälde wie im Mittelalter üblich rot umrandet war. Weitere Farbreste links und rechts auf dem mittleren Holzbrettchen, die im Rahmen verborgen sind, weisen darauf hin, dass unter der gelben Farbschicht Farben eines anderen Bildformats liegen. Insgesamt kann das ursprüngliche Bildformat jedoch nicht bestimmt werden.(14)

Zum bereits oben erwähnten Stadtwappen auf dem mittleren Turm am „Törle“ zeigen die Infrarotaufnahmen, dass sich unter der Hirschstange im Schildhaupt nicht das erwartbare „O“ des Owener Wappens befindet. Es zeigen sich Pinselstriche, die zu einem seesternähnlichen Gebilde zusammenlaufen. Zu den Zeiten Klemms waren sie wohl noch deutlicher als heute zu sehen; er schreibt, dass der Maler das „O“ nicht richtig erkannt haben wird und sich mit einigen symbolischen Pinselstrichen begnügte. Und steigert diese Spekulation in der Anmerkung dazu: „Es mag auch sein, daß nur der Renovator von 1675 das verblaßte O nicht mehr richtig hergestellt hat.“ Bei einem anderen Detail, dem Fenster über dem Tor im rechten Turm geht er mit seiner Vermutung allerdings fehl, dass das Fenster vergittert sei, weil in diesem Turm sich das Stadtgefängnis befand. Das Gitter hist ein Fallgatter, ein Bestandteil der Torkonstruktion in mittelalterlichen Burgen und Stadtbefestigungen.(15)

III. Es war die Burg Teck und nicht die Pest,    die jahrhundertelang die Sichtweise auf das Tafelbild mit der befestigten Stadt vor einem Berg vorgab. Christoph Martin Burk (1716-1790), seit 1759 Pfarrer in Owen, beschrieb zwei Bilder in der Marienkirche zu Owen, deren eines – es handelt sich um das oben erwähnte und von Klemm in Opposition zum Tafelbild gesetzte Gemälde des unbekannten Malers – er abzeichnete: Dieses Teckische Gemäld auf Tuch, mit einer schwarzen Rame eingefaßt, hangt von alten Zeiten her in der Kirche zu Owen, unter dem Schwibbogen rechter Hand, wovon auch Sattler […] eine Copiam stechen lassen. Zum anderen Bild – gemeint ist das Tafelbild – schreibt er: Ein ander (hölzern) Täfelein de A. 1542. so oberhalb dem Opfer-Stock an einer steinernen Saul angeschlossen, stellet, ob es gleich sehr schlecht gemahlt ist, doch die Teck auf die nemliche Weise dar.(16)

Im Jahr 1879 wird Eduard Friedrich Hochstetter (1823-1902) Stadtpfarrer in Owen und hat, wie er schreibt, „eine Veranlassung, die beiden Bilder genauer anzusehen.“ Er stellt fest, dass „das ältere Bild auf der Holztafel nicht die Teck vorstellt, sondern die Stadt Owen zur Zeit ihrer Befestigung, ebenso daß auf diesem Bild nicht der reiche Mann u. arme Lazarus abgebildet ist, sondern andre Personen.“ Und dass das oben erwähnte Gemälde in Öl dem älteren Bild „nachgebildet ist. Es kann also auch kein Bild der Teck sein, sondern es ist nichts andres, als das befestigte Owen auf einem Berge.“(17a) Seine Erkenntnisse finden Eingang in Klemms Arbeit über das vermeintliche Bild der Burg Teck (siehe oben), in welcher dieser als Quintessenz bemerkt, dass „wieder einmal ein schöner Traum zerstört werden muß, daß wir ein getreues Bild einer alten württembergischen Herrlichkeit, der Burg Teck, besitzen“.(17b)

Bei Burk findet das Säubad keine Erwähnung, sein ausschließliches Interesse gilt der Burg Teck auf dem Gemälde in Öl. Hochstetter und ihm folgend Klemm finet das Säubad durchaus erwähnenswert; alle drei erwähnen die Pest mit keinem Wort. Hochstetter und Klemm liefern jedoch eine interessante Information zum materiellen Bestand des „hölzern) Täfelein v. A. 1542“: „eine rahmenlose Holztafel 30 cm hoch und 60 cm breit“.(18) Im heutigen Bestand ist das Brettchen mit dem Tafelbild 580 mm breit und 264 mm hoch, das Gemälde selbst misst noch 530 mm in der Breite und 264 mm in der Höhe. Die Bildtafel ist 580 mm breit und 420 mm hoch. Der Rahmen misst 675 mm in der Breite und 510 mm in der Höhe, die Rahmenhölzer sind 30 mm dick. Die großflächigen beigen Passepartouts oben und unten sind jeweils 68 mm hoch, rechts und links bilden sie einen schmalen Streifen, jeweils 15 mm breit.(19) Das Brettchen wurde demnach auf allen Seiten gekappt, bevor es in die Bildtafel eingefügt wurde; in der Breite fehlen 20 mm und in der Höhe 36 mm.

IV. Erneuert 1893.    Von Pfarrer Hochstetter wird das noch von seinem Vorgänger Burk verächtlich als wertloses Bild der Teck angesehene Tafelbild im Jahr 1891 buchstäblich rehabilitiert. Wohl initiiert durch Klemms Aufsatz werden die Brüche repariert und meisterlich fixiert, so dass sie im Gemälde nur noch schwach erkennbar sind. Das „Täfelein“ wird zu einer größeren Bildtafel ergänzt, verliert bei dieser Operation jedoch an Substanz. Der leere Raum um das kleine Brettchen wird zum Passepartout und mit einer beigen Farbe ausgestrichen, dabei geht der zuvor angebrachte schwarze Konturrahmen zum Teil wieder verloren. Wieviel vom Bildprogramm selbst durch die Kappungen auf den Längs- und Schmalseiten und die Übermalung vor allem auf diesen verloren geht, lässt sich heute nicht mehr entscheiden.

Mit der Ausmalung der Passepartouts kommen hinzu die Schriftzüge Das Säubad (links oben), Kranke, welche in das Bad kom[m]en (rechts oben), Erneuert 1893. (rechts unten) und die namengebende Bildunterschrift Owen im Pest-Jahr 1542. Es ist diese Bildunterschrift, die die eingangs genannte Irritation auslöst.


Anmerkungen
Kopfbild: Ausschnitt aus dem sog. Pestbild von Owen. Eigentümerin des Pestbildes ist die Kirchengemeinde Owen. Es hängt als Dauerleihgabe in der Ausstellung im Geschichtshaus und unterliegt dem urheberrechtlichen Schutz nach ➤ CC Creativ Commons.
(1)Locher, Rudolf: Das alte Owen, hrsg. vom Bürgermeisteramt Owen (ohne Jahr), S. 75-78. – Wenn im Folgenden vom Bild, der Bildtafel oder der Holztafel die Rede ist, ist stets das ganze Bild bestehend aus Rahmen, Passepartout und eingesetztes Tafelbild gemeint. Mit Tafelbild wird das szenische, mit einem schwarzen Rahmen konturierte Gemälde bezeichnet.
(2)Um eine solche Fraktur wie die unter dem Bild malen zu können, bedurfte es wohl einer Lehre bei einem Schreib- und Rechenmeister. ➤ Johann Neudörffer der Ältere (1497-1563) aus Nürnberg war seiner Zeit der bedeutendste und einflussreichste Schriftmeister und hatte einen entscheidenden Anteil an der Entstehung der deutschen Frakturschrift. Ob der Maler an Neudörffers Werk Ein gute Ordnung und kurtze unterricht der fürnemsten grunde … [Titel gekürzt] geschult war, lässt sich nicht entscheiden. Bayerische Staatsbilbiothek München, Cgm 7072. Hilfsmittel zur Schriftbestimmung: Deutsche Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung, Wiesbaden 1999.Die Schrift ähnelt der sogenannten ➤ Theuerdank-Fraktur. Damit wird eine Drucktype aus dem 16. Jahrhundert bezeichnet und ausschließlich für diese verwendet. Sie hat ihren Namen nach dem Titel eines aufwändig gestalteten Versromans aus der frühen Zeit des Buchdrucks, der von Kaiser Maximilian I. (reg. 1486–1519) in Auftrag gegeben und 1517 fertiggestellt wurde.
(3)Heimatbuch des Kreises Nürtingen, Bd. 2 (1953), S. 1022. Das Säubad wurde einer Legende zufolge um 1468 entdeckt. Vgl. Rooschüz, Paul: Owen. Seine Geschiche und seine Denkwürdigkeiten. Stuttgart (1884), S. 150. Der erste schriftliche Nachweis des Säubads findet sich für das Jahr 1487 im Städtlenbuch von Owen, Stadtarchiv Owen, OB 88, fol. 44v.
(4)Zur Kleidermode der männlichen Figuren: ➤ Kleidermode des Spanischen Barock. Allgemein zur Mode des ausgehenden Mittelalters: ➤ Kleidermode der Renaissance.
(5)Die ➤ Schaube ist ein weiter, oft glockiger, vorn gänzlich offener, ungegürteter Überrock, der im 15. Jahrhundert aufkam und bis ins 16. Jahrhundert getragen wurde. Die ➤ Kalotte kam Ende des 15. Jahrhunderts als sogenannte Haarhaube (Unterkappe) zusammen mit dem Barett auf, um dem oft wie ein flacher Teller auf der einen Seite des Kopfes sitzenden Barett eine Befestigung zu ermöglichen.
(6)Die ➤ Trippe.Trippen sind Unterschuhe aus Holz, die unter die eigentlichen Schuhe geschnallt werden. Es sollen so die kostbaren Lederschuhe von Schmutz und Unrat verschont werden.
(7)Zur ikonodiagnostischen Klärung der dargestellten Krankheitsbilder wurde eine Anfrage an Prof. Dr. Andreas Nerlich vom Institut für Rechtsmedizin der Universität München gerichtet. Die wesentliche Aussage seiner Antwort vom 20.04.2026 lautet: Für die dargestellten Krankheitsbilder könnte eine Arteriosklerose mit einem „Brand der Gliedmaßen“, aber auch die eher seltene Endangiitis obliterans (M. Winiwarter-Bürger), für den Verlust der Füße auch eine lokale Entzündung nach einer Verletzung angenommen werden. Anzeichen für die durch das Bakterium Yersinia pestis verursachte Pest sind nicht erkennbar.
(8)Die Deutung der gelben Fläche als See findet sich bei Hochstetter, Eduard Friedrich: Nachricht über die 1890 in der Marienkirche zu Owen vorhandenen Bilder u. Grabsteine, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Signatur: Mappe.Owen [A-25-042]; ders. Die Teck und Owen, in: Blätter des Schwäbischen Albvereins, 1891, Band 3, Heft 6, S. 71.“
(9)Klemm, Alfred: Das vermeintliche Bild der Burg Teck, in: Literarische Beilage des Staats-Anzeigers für Württemberg 1891, Nr. 6-7, S. 84-87. Klemm bezweifelt, dass dieser Turm ein Torturm gewesen sein könnte, er sei vielmehr ein Teil der Stadtbefestigung; „es erklärt sich daraus, daß man jetzt in Owen von einem Dasein dieses Turms an dieser Stelle, d. h. an der nordwestlichen Ecke keine Erinnerung mehr hat.“
(10)Das auf einen Berg versetzte Stadtpanorama [der Stadt Owen] erscheint in Christian Friedrich Sattlers Historische Beschreibung des Herzogthums Würtemberg, Stuttgart und Eßlingen 1752, Fig. 17, als Prospect des uralten Schloßes TECK bey Kirchheim 1752 und begründet eine eigene Ikonografie in der Darstellung der Burg Teck vor der Zerstörung im Bauernkrieg. Zur Abzeichnung Burks vgl. Anm. 16.
(11)Andreas Kiesers Ortsansichten in den Forstlagerbüchern, Landesarchiv Baden-Württemberg/Hauptstaatsarchiv Stuttgart, H 107/7 Bd. 5 Bl. 6 Bild 1 (Owen).
(12)Gutachten zur Restaurierung eines Holztafelgemäldes vom 24. August 2011, brieflich mitgeteilt von Niclas Hein, Restaurator (Dipl.-Rest.), Stuttgart. Die zur Erstellung des Gutachtens eingesetzte Infrarotreflektografie ist eine physikalische Methode. Malmaterialien haben für langwellige Infrarotstrahlen eine andere Durchlässigkeit als für Strahlung im sichtbaren Lichtspektrum (VIS). IR-Strahlen durchdringen dabei verschiedene Malschichten und werden auf der dichten, meist hellen Grundierung reflektiert. Unter einer Firnis nicht sichtbare Details werden in der IR-Aufnahme sichtbar. – Die Maße der Tafel und des Rahmens gehen aus dem Gutachten nicht hervor. Sie wurden vom Autor 2025 erhoben und erheben keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit. Abmessungen: Rahmen = 675×510 mm, Bildmaß (im Rahmen sichtbar) = 560×400 mm, Gemälde (schwarzer Konturrahmen) = 530×264 mm.
(13)Gutachten, wie Anm. 9, Abschnitte Restaurierung und Bildunterschrift.
(14)Gutachten, wie Anm. 9, Abschnitte Restaurierung und Bildunterschrift. Ein auffälliger Befund zeigt sich in einem schmalen Streifen am linken Rand. Hier befindet sich die oben erwähnte Darstellung des Säubads und darunter die Figur, welche aus dem Bild zu gehen scheint. Die Abbildung des Säubads und die Figur sind frei von Schäden.
(15)Klemm (wie Anm. 9), S. 86.
(16)Burk, Michael Christoph: Geschichts- und Kunstdenkmäler der Kirchen zu Owen und Weilheim, teils nachgebildet teilts beschrieben von M. Michael Christoph Burk, Stadtpfarrer in Owen. 1767. Württembergische Landesbibliothek, God.hist.fol.280. Burk war seit 1759 Pfarrer in Owen, seine Abzeichnung entstand also zwischen 1759 und 1767. Zu Sattler s. Anm. 10.
(17a,b)a) Hochstetter (1890), wie Anm. 8; b) Klemm (1891), S. 86.
(18)Klemm (wie Anm. 9), S. 84.
(19)Der Unterschied zwischen Bildtafel und Tafelbild zeigt sich bereits an der Rückseite der aus dem Rahmen gelösten Bildtafel und ihrer Beschreibung (Abb. 3). Das Gutachten von 2011 enthält keine Angaben zu den Abmessungen. Sie wurden 2025 erhoben und bei einer Nachmessung 2026 bestätigt. In den Maßen für die Breite ist jeweils die Falsztiefe mit 10 mm auf jeder Seite enthalten, bei den Maßen für die Passpartouts sind jeweils 10 mm für die Falztiefe dazuzuzählen.