Das sogenannte Demokratenloch

An der Ecke Steigstraße/Kirchheimer Straße (B 465) befindet sich das sogenannte „Demokratenloch“. Hier wurde 1971 ein Brunnen aufgestellt und an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Der Trog (siehe Kopfbild) besteht aus Gauinger Travertin und wurde – nach einem Modellentwurf von Gerhard Hummel – vom Owener Steinmetz Volker Hahnel im Rahmen seiner Meisterprüfung als Meisterstück gefertigt. Auf einer Seite zeigt der Brunnen das alte Owener Stadtwappen.

Wie das „Demokratenloch“ seinen Namen erhielt, erzählt Norbert Häuser in den Geschichten von Kleindenkmalen im Landkreis Esslingen (S. 127):

Bis kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand hier ein größeres Bauernhaus mit Scheune und Stall. Als Owen in den letzten Kriegstagen starke Zerstörungen erleiden musste, war auch dieses Haus betroffen. Auf Anordnung des kommissarischen Bürgermeisters Gottlob Gruel wurden ehemalige Owener Parteigenossen und Funktionäre der NSDAP nach ihrer Rückkehr aus dem Gewahrsam der Besatzungsmacht verpflichtet, die Überreste des Hauses zu beseitigen und das Gelände einzuebnen.

In der Stadt war dann schnell die Rede davon, dass die „verdienten Nazis“ durch diese Maßnahme zu Demokraten „erzogen“ worden seien. Da sich an der Stelle des bisherigen Gebäudes nun ein Loch auftat, wurde der Begriff „Demokratenloch“ geprägt.

Mit den Jahreszeiten folgenden Bepflanzungen und einer Holzbank im Halbrund lädt der Ort trotz zeitweisem Verkehrsaufkommen zur Rast und Besinnung ein. Denn das „Demokratenmachen“ ist, auch wenn es genügend zerstörtes Bauwerk weltweit gibt, in den heutigen Zeiten nicht leichter geworden.

Quelle: Auf Spurensuche. Geschichten von Kleindenkmalen im Landkreis Esslingen, im Auftrag des Landkreises Esslingen herausgegeben von Norbert Häuser und Manfred Waßner. Esslingen am Neckar 2012.