Owen richtig aussprechen

Den Namen der Stadt Owen richtig aussprechen

Der Name der Stadt Owen ist eine lautsprachliche Herausforderung. Ortsfremden gelingt sie nicht immer auf Anhieb. Und deshalb gibt es den Kalauer von den schlauen Owenern, die richtig „Auen“ sagen.

Ein Kalauer ist auch nicht wirklich witzig, deshalb heißt er auch “Flachwitz”. Er spielt mit der Sprache, mit der Lautmalerei von Wörtern und mit Bedeutungen. Wie dieser selbstreferentielle Kalauer: Ein Kalauer ist ein Kalauer, weil hinter dem “K” das “A” lauert.”

Zur Sache: Der Name der Stadt kommt vom mittelhochdeutschen Wort owe und bedeutet eine feuchte Fluss- oder Bachniederung, die von wechselndem Hoch- und Niedrigwasser geprägt wird. Für den Ursprung von Owen, die heutige Unterstadt, trifft genau dies zu.

Auen lautet daher der Name, Owen wird er geschrieben. Die mittelhochdeutsche Schreibweise wurde in Owen beibehalten und schließlich zur amtlich festgelegten Schreibweise des Ortsnamens. Diese altertümliche Schreibweise ist eine Besonderheit. Vielleicht hat sie sich erhalten, weil Owen im 16. und 17. Jahrhundert stark für seine württembergische Landstandschaft gekämpft hat und unter dieser Schreibweise inmitten der anderen Städte bekannt war. Außerdem trägt auch das vermutlich in teckische Zeit zurückreichende Stadtwappen den Anfangsbuchstaben der mittelhochdeutschen Schreibweise.

Die Verschiebung vom Laut “O” zum Laut “A” zeichnet sich in der Schriftsprache zum Beispiel in Gadners Forstkarte (1589?) ab. Dort ist Owen als “Awen” eingezeichnet.

Versuchen wir also, Gadners Forstkarte folgend, dem Geheimnis der richtigen Aussprache von Owen auf die Spur zu kommen. Wir versuchen, das “O” mit einem weiter als gewohnt geöffneten Mund zu sprechen und stellen erstaunt fest, dass daraus leicht ein “A” werden kann. Vor allem dann, wenn wir gleich ein “U” dahinter sagen wollen. Das hat auch damit zu tun, dass die Aussprache des Lautes “A” weniger anstrengend ist als die des Lautes “O”. Die Verwandlung von Owen in Auen hat auch mit Sprechfaulheit zu tun; ernsthafter formuliert nennt man das Sprachökonomie. Ein Versuch nach Gadners Vorlage könnte so ausgehen:

Das Ergebnis kann kaum überraschen. Und doch weist es einen Weg aus der Misere. Die Krux ist das “W”. Dieses entstand im Mittelalter aus der Verdoppelung von “V” und dieses wurde schon seit der Antike für “U” geschrieben. Gewissermaßen ein Doppel-“U”. Auch hierfür hat die Sprachwissenschaft einen Namen: “unsilbisches [u]”.

Das wär´s dann also. Zum Abschluss noch eine kleine Anleitung, wie die Stadt Owen richtig ausgesprochen wird:

1. Man stellt sich das “W” als ein “U” vor und und spricht OUEN oder versucht es auf jeden Fall. Das ist anfangs nicht ganz einfach, klappt aber nach einiger Zeit ganz gut.

2. Nach einigen Versuchen merkt man, dass es für die Mundmuskulatur doch recht anstrengend ist, “O” und “U” zusammen auszusprechen. Man gleitet in der Aussprache unmerklich in ein “AU”.

3. Zuletzt muss das “AU” nur noch mit “EN” und vor allem ohne “W” [sic!] vervollständigt werden und aus dem geschriebenen OWEN wird das gesprochene AUEN. So wie es der Kartenausschnitt im Header als Aussprachehilfe anbietet. Und der Kalauer über die schlauen Owener verliert seinen flachwitzigen Reiz.