Mauern – Graben – Tore

Mauern – Graben – Tore

– Das Projekt –

Die ehemalige mittelalterliche Stadtbefestigung der Stadt ist größtenteils im Abgang, d.h. unwiderruflich verloren. Der Alt-Owen Förderkreis e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die noch vorhandenen und feststellbaren Reste, die nicht immer kümmerlich sind, aufzunehmen und zu dokumentieren. Dazu werden schon seit längerer Zeit Begehungen durchgeführt und feststellbare Reste durch fotografische Aufnahmen dokumentiert. Allen Bürgern der Stadt Owen, die uns bei unserem Vorhaben bislang unterstützten, sagen wir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Und über zukünftige Unterstützung freuen wir uns.

Projektbeschreibung
1. Stadtmauer und Zwinger
Der Verlauf der ehemaligen Stadtmauer und Zwingermauer ist in Teilen nachvollziehbar am Törlesrain. An manchen Stellen im Stadtgraben treten Reste der Stadtmauer aus dem Hang hervor oder sind in einigen Gebäuden erhalten. Der Verlauf von Stadt- und Zwingermauer kann anhand von Karten des Liegenschaftskatasters(1) seit 1818 nachvollzogen werden. Zur Dokumentation werden fotografische Aufnahmen angefertigt.

Die Stadtmauer wie wohl auch die Zwingermauer waren als Schalenmauerwerk aufgeführt: aus einer inneren und einer äußeren, sauber gefügten „Schale“ aufgebaut, der Zwischenraum wurde mit Bruchmaterial und Kalkmörtel verfüllt. Im linken Bild ist ein teilweise abgestürztes Stück der Stadtmauer zu sehen. Die äußere Schale ist abgestürzt, der Kern, d.h. der Zwischenraum, liegt offen, die innere Schale steckt im Erdreich. Im rechten Bild ist der Anschluss an einen Bereich zu sehen, in welchem die Stadtmauer vollständig abgegraben und an deren Stelle ein Stützmauer aus Beton gesetzt wurde. In beiden Bildern ist der von der abgestürzten Mauerschale und Teilen des Kerns gebildete Schuttkegel zu sehen. Aufnahme: Dr. Hans-Peter Hils, 03.03.2017.

2. Der Abgang der Stadttore
Auf den Karten für Owen mit dem Aufnahmedatum 1828 ist das Kirchheimer Tor nicht mehr verzeichnet, das Obere Tor ist dagegen noch vorhanden. Für beide Tore ist anhand von Archivalien aus dem Stadtarchiv Owen der tatsächliche Abbruch des Oberen Tors im Jahr 1837 und das mutmaßliche Verschwinden des Kirchheimer Tors um 1816 hinreichend erforscht und dokumentiert. Die Forschungen zu den sogenannten Toren „Törle“ und „Kühtor“ sind die Nachforschungen noch nicht abgeschlossen; im Archiv der Stadt Owen finden sich Hinweise, dass es sich bei beiden Toren nicht um Schlupftore oder bloße Mauerdurchbrüche, sondern richtige Tore handelte.

3. Die Brücken über den Stadtgraben
Von den nachweisbaren drei Brücken über den Stadtgraben hat allein die Grabenbruck die Zeit überdauert. Ihr Erscheinungsbild macht es nahezu unmöglich, auf den historischen Stand der Brücke rückzuschließen. Für die Brücke am Oberen Tor ist ein Nachweis allein über Einträge für Reparaturen in den Bürgermeisterrechnungen möglich, der Graben ist vollständig verfüllt. Die Brücke am sogenannten „Kühtor“ ist nicht nur nachgewiesen, sondern auch noch unter einer modernen Überbauung vorhanden.

Die Aufnahmen zeigen das Gewölbe der „Kühtorbrücke“ über den östlichen Graben der Stadt. Im linken Bild ist im Hintergrund der moderne Verschluss des Brückengewölbes aus Beton zu erkennen; das rechte Bild zeigt das stadtseitige Gewölbe. Gut zu erkennen ist das Fundament des Gewölbebogens. Aus der lichten Höhe des Gewölbes und nach Abzug des Schutteintrags durch Wasser kann auf die Tiefe des im Übrigen verfüllten und mit Häusern bebauten östlichen Stadtgrabens geschlossen werden. Aufnahme: Dr. Hans-Peter Hils, 03.03.2017.

4. Grundlagen für die Forschungen
Neben dem Liegenschaftskataster werden folgende historische Unterlagen ausgewertet:
a) Die Abbildung der Stadt Owen im Kieserschen Forstlagerbuch, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, H 107/7 Bd. 5 Bl. 6 Bild 1
b) Die Abbildung des „Stättl Owen“ im Kieserschen Forstkartenwerk, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 228a I Nr. 3323
c) Owen und Teck, Radierung um 1820 von Georg Ebner, Württembergische Landesbibliothek, Graphische Sammlungen Württembergica
d) Archivalien des Stadtarchivs Owen und des Landesarchivs Baden-Württemberg

(1) Das Liegenschaftskataster entstand in den Jahren 1818 bis 1840 im Zuge der Vermessung des damals neu entstandene Königreichs Württemberg. Das Kopfbild dieser Seite ist eine Komposition von Ausschnitten aus den Karten No. 2726 und 2727 mit einer Nachzeichnung des vermuteten Verlaufs der Stadt- und Zwingermauern. Die Karten sind als Reproduktion vorhanden im Stadtarchiv Owen; die verwendeten Karten wurden zur Verfügung gestellt vom Landratsamt Esslingen, Amt für Geoinformation und Vermessung.