Burgenausstellung

Schwabenland – Burgenland

Baden-Württemberg gehört mit über 3.000 Burgen auf 35.700 Quadratkilometern zu den burgenreichsten Regionen Mitteleuropas, wenn nicht der Welt. Wichtige Adels- und Königsgeschlechter wie die Staufer hatten hier ihre Stammburg.

Innerhalb der baden-württembergischen Grenzen von 1952 finden sich über 3.000 Objekte, die bekannt, beurkundet oder noch erhalten sind. Mehr als die Hälfte von ihnen sind aber im Laufe der Zeit durch expandierende Orte, Flussbegradigungen, Witterung oder andere Nutzung zerstört worden oder existieren nicht mehr.

Das Herzogtum Schwaben, das sich über die heutigen Grenzen hinaus bis in die Schweiz und das Elsass zog, besaß vermutlich die höchste Burgendichte Mitteleuropas. Waren die Schwaben schon immer „Häuslebauer“ und wie wurden Standorte gefunden oder die Territorien der einzelnen Burgen abgegrenzt?

BURGEN ALS WOHNSITZE
Burgen dienten in ihrer Geschichte als Wohnsitz des Adels und der Abwehr gegenüber feindlichen Angreifern, aber auch gegenüber dem eigenen Volk oder benachbarten Burgherrn. Vom Aufbau her waren sie an die zu dieser Zeit herrschende Waffentechnologie angepasst und wurden, sofern es die finanziellen Mittel erlaubten, im Laufe ihrer Zeit immer wieder umgebaut. So lässt sich heute ein gewisser „Bautrend“ zum jeweiligen Fortschritt ausmachen, der auch mit der Reichweite der zeitgleichen Belagerungswaffen zusammenhängt. Je nach Lage war die Burg auch Handelsplatz oder Zollstation, was zu Einnahmen und damit auch häufig zur Vergrößerung der Burg führte.


Bild links: BACHRITTERBUG KANZACH, Wohnsitz des örtlichen Niederadels. Experimentalarchäologischer Nachbau 2001.
Bild rechts: WÄSCHERBURG, staufische Dienstmannenburg, 1220-1250.
© Dr. Hans-Peter Hils

Mit dem Fortschritt der Artillerie im 16. Jahrhundert veränderte sich der Burgenbau. Ein weiterer Faktor war die aufkommende Mode des Barocks, in der Repräsentation und Wohnqualität im Mittelpunkt standen. Militärisches und Wohnen wurden im Laufe der Zeit getrennt. Übergangsweise entstanden „Schlossburgen“ oder „Festungsburgen“, die je nach Strategie mehr als Wohn- oder Verteidigungsanlage dienten.

Diese Entwicklung fand allerdings an vielen Burgen im Herzogtum Schwaben kaum statt. Die mittelalterliche Burg war wegen ihrer schlechten Wohnqualität und veralteten Wehranlagen überflüssig geworden, viele wurden auch in den Bauernkriegen zerstört. Der Ausbau zur Festung war dem stetig verarmenden Niederadel häufig nicht möglich, so dass der Neubau einer Schlossburg oder eines repräsentativen Schlosses erfolgte. Neu errichtete Schlossburgen änderten ihre Lage und wanderten vom Berg ins Tal, in die Nähe oder ins Zentrum der Städte. Ende des 15. Jahrhunderts waren Städte sicherer als die alleinstehende Burg.

ZEITRAHMEN
Entstehungsgeschichten von Burgen reichen bis in das 8. Jahrhundert zurück, es wird als Startphase des Burgenbaus angenommen. Die meisten Anlagen aus dieser Zeit dürften hölzerne, runde Wallanlagen gewesen sein.


BURG TECK, Sitz der Herzöge von Teck. © Dr. Hans-Peter Hils

Das Ende des Burgenbaus begann Mitte des 16. Jahrhunderts, bedingt durch veränderte Waffentechnologien, die Wendung hin zu repräsentativen Wohnformen sowie die Säkularisierung vieler sakraler Bauwerke zu dieser Zeit.

EIN ERKENNBARES MUSTER
Die Burgen innerhalb der Grenzen Baden-Württembergs entstanden zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert in einer bestimmten Reihenfolge zueinander, vorzugsweise an Handelsstraße und Flüssen. Die größte Phase findet ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts statt, ab dem 14. Jahrhundert werden die ersten Schlossburgen und Festungsburgen errichtet. Die Unabhängigkeit von der Topografie verändert die Standortwahl, das alte Muster zerfällt. Burgen werden aufgegeben oder die Reichsstädte schleifen sie. Zum Ende des 15. Jahrhunderts sind in vielen Landstrichen keine Burgen mehr vorhanden.

Die folgenden Zahlen beziehen sich auf die Datenerhebung von Dr. Darius Lenz, der eine Katalogisierung von 2.991 Burgen erarbeitet hat.

Burgen mit Baudatum: 2.036
Burgen mit Zerstörungsdatum: 68
Burgen ohne historische Daten: 453
Burgen in Wanderkarten: 434
Anzahl der Gründungen
7. Jahrhundert 7 (0,34%)
8. Jahrhundert 29 (1,42%)
9. Jahrhundert 14 (0,69%)
10. Jahrhundert 33 (1,62%)
11. Jahrhundert 209 (10,27%)
12. Jahrhundert 517 (25,39%)
13. Jahrhundert 653 (32,07%)
14. Jahrhundert 225 (11,05%)
15. Jahrhundert 144 (7,07%)
16. Jahrhundert 166 (8,15%)
Sonstige 39 (1,92%)

7. JAHRHUNDERT
Das heutige Gebiet gehörte größtenteils zum Frankenreich, es existierten vermutlich zahlreiche alamannische Vorgängerburgen. Erste Wallburgen entstanden bei Bad Urach „Runder Berg“ oder bei Calw „Rudersberg“.

8. JAHRHUNDERT
Es wurden einige neue Burgen gegründet, die meisten nur wenige Kilometer von Neckar, Donau oder dem Bodensee entfernt. Durch nachträgliche Flussbegradigungen könnten einige von ihnen unmittelbar an den jeweiligen Flüssen gestanden haben.

9. JAHRHUNDERT
Nach dem Tod Karls des Großen 814 gehörte das heutige Baden-Württemberg bis Ende des 9. Jahrhunderts zum Reich von Ludwig dem Deutschen.
Es entstanden die ersten, größeren Burgen aus Stein. Vor allem entlang der Flüsse begann sich ein Muster abzuzeichnen: ihre Eigentümer waren Karolinger, die Burgen lagen einen Tagesmarsch voneinander entfernt. Bis auf die unsichere Rheinregion festigten sie auf diese Weise die Grenze des Reiches.

10. JAHRHUNDERT
Zwischen 911 bis 1024 gehörte das heutige Baden-Württemberg im Süden zum Herzogtum Schwaben, im Norden zu den Franken, damit zum Heiligen Römischen Reich. Vor allem an Neckar, Donau sowie deren Seitentälern und Zuflüssen entstanden neue Burgen, wie die Vorgängeranlage des Alten Schlosses in Stuttgart oder das „Alte Schloss“ in Backnang. Vor allem entlang der Flüsse und an Handelsrouten entstanden Ketten von Burgen, die alle max. 40 Kilometer voneinander entfernt lagen.

11. JAHRHUNDERT
Das heutige Baden-Württemberg gehörte seit 1033 zum Heiligen Römischen Reich. Neben den weiteren Burgenbauten entlang der Flüsse, entstanden in dieser Zeit auch Burgen am nördlichen Rand der Schwäbischen Alb. Auffällig ist die Entstehung an Taleingängen, Pässen und langgezogenen Tälern, die Donau und Neckar verbinden, sowie an hohen Plätzen.

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