Hinter jedem Foto steckt eine Geschichte

Owen und seine Gesichter

Teckbote, Iris Häfner. Mit alten Ansichten können die Teckstädter durch das Jahr 2017 gehen. Die beliebte Ausstellung im Geschichtshaus gab den Impuls für den Monatsbegleiter.

Die gute alte Zeit – auf Fotos bleibt sie, in Momentaufnahmen konserviert, und somit ein Stück weit lebendig. Ob sie tatsächlich so gut war, wie oft und gern behauptet wird, darf jeder für sich selbst entscheiden, denn manches wird bekanntlich in Erinnerungen verklärt wiedergegeben. „Erinnern und das, was wirklich war, ist manchmal zweierlei“, ist auch die Erfahrungen von Gabriele Horer und Angelika Friedrich vom Alt-Owen-Förderkreis.

Ganz ohne Pathos, dafür aber mit umso mehr fundierten Informationen präsentiert sich der Kalender „Owen und seine Bewohner in alten Ansichten“ für das Jahr 2017. Die beiden Schwestern erzählen begeistert, wie es zu dieser besonderen Auflage kam. Immer wieder stellten sie bei Ausstellungen ihres Vereins fest, dass sich die Besucher immer gerne Fotos anschauen. „So sind wir dann auf die Idee gekommen, sie mal in den Fokus zu rücken“, sagt Gabriele Horer. So entstand in der Zusammenarbeit mit der Stadt Owen und Ursula Dworák von „MuseoConsult“ die Ausstellung „Leben unter der Teck – Owen und seine Bewohner in alten Ansichten“. Die gliedert sich in vier Bereiche: Kindheit in Owen, Arbeit und Alltag, Zu Gast in Owen sowie Leben unter der Teck. Das Interesse daran ist immens und ungebrochen, weshalb sie verlängert wurde und noch bis zum 8. Januar zu sehen ist. „Wir haben bei dieser Ausstellung viel mehr Führungen als sonst, und so kamen wir auf die Idee, einen Kalender zu machen“, erzählt Angelika Friedrich vom gruppendynamischen Prozess mit den Vereinsmitgliedern und Bürgermeisterin Verena Grötzinger. Die Auswahl für den Kalender traf der Ausschuss des Förderkreises.

Den Reigen eröffnet Christoph Friedrich Faber, Stadtamtmann ab 1794 in Owen, wo er 1820 auch gestorben ist. Der Mann im feinsten Spitzenhemd schmückt das Titelbild, die einzige farbige Abbildung des Kalenders, der Rest ist – wen wundert‘s – in Schwarz-Weiß. Im Monat März etwa sind große Wäschetrommeln und zwei Waschfrauen zu sehen. Dazu erfährt der geneigte Betrachter auf dem Doppelblatt auch Hintergrund-Informationen, denn jedes Bild hat eine Legende. In diesem Fall ist es die Wäscherei im Maierhof, die 1939 gebaut wurde. Kaum ein Haushalt hatte eine Waschmaschine, weshalb die Owener mit dem waschkorbbestückten Handwagen regelmäßig in die Schießhüttestraße pilgerten.

Der Maientag darf natürlich in dem Werk nicht fehlen, die Kinder in ihrem Sonntags-Staat sind auf vier Bildern vertreten. Zwei Maientagskleidchen sind in der Ausstellung zu bewundern. „Zum Maientag hat man das neue Kleid und die Schuhe für den Sommer bekommen“, erzählt Gabriele Horer. Dass die Mädchen ähnlich gewandet waren, verwundert nicht: Der Stoff stammte aus ein und demselben Textilwarengeschäft: Hermann Häußler.

Stramme Jungs sind im Juni zu bewundern. Sie stehen am Schwimmbad beim Sporthaus. Dabei handelt es sich um das tiefe Wehr, das sogar das Eintauchen vom Sprungbrett aus erlaubt. Kinder sind ein beliebtes Motiv, ebenso Häuser, vor denen sich ihre Bewohner meist im besten Gewand präsentieren. Beim Blättern entdeckt man auch den Omnibus „Sibylle von der Teck“ unterhalb der Burg, die noch mit ihrem alten Turm zu sehen ist, und wer genau hinschaut, entdeckt noch das Kennzeichen mit AW für Amerikanisch Württemberg. Auf den Bussen der Gebrüder König aus Dettingen prangte lange Zeit ein ungewöhnliches Firmenlogo: Sibylle mit ihrem von wilden Katzen gezogenen Wagen.

Ein guter Schluss ziert bekanntlich alles. In diesem Fall sind es passend zur Jahreszeit zwei selbstbewusste Skifahrer-Kinder und ein mutiger Skispringer am Teckhang.

„Hinter jedem Foto steckt eine Geschichte“, sind sich die Schwestern einig. So etwa die Sau, die von den Metzgern im Schubkarren in Richtung Schwabenstüble transportiert wird oder die einzigen Farbfotos der Ausstellung. Darauf sind die ersten italienischen Gastarbeiter zu sehen, denen das deutsche Bier im Owener Adler mundet. Wie sehr sich Owen und die Landschaft verändert haben, ist ebenfalls dokumentiert. Um 1900 war der Wald ziemlich gerodet, dafür gab es einen stattlichen Hopfenanbau, und Weinberge nahmen viel Raum um das kleine Owen ein.
Das Bildarchiv der Schwestern umfasst zwischenzeitlich viele Leitz-Ordner. Abgelegt werden sie mit Legende nach dem Alphabet und in Untergruppen. „Die Fotos sind unsere Kinder“, verraten sie mit einem Augenzwinkern.

Quelle: Der Teckbote vom 15.12.2016, Bericht von Iris Häfner