Owener Auswanderer im 18. Jahrhundert

Die Owener Brüder Smith in Charleston

– Wirtschaftsflüchtlinge des 18. Jahrhunderts –

Am 25. November 2016 berichtete der Archivar und Historiker Dr. Jürgen Lotterer über ein aktuelles Thema in der Owener Bernhardskapelle: „Wirtschaftsflüchtlinge des 18. Jahrhunderts – Owener Auswanderer in Amerika“. Er machte schon eingangs deutlich, dass das Wort „Wirtschaftsflüchtlinge“ eine Mehrfachverunglimpfung sei, denn Menschen hätten sich zu allen Zeiten auf den Weg gemacht, um fern der Heimat ein besseres Auskommen zu finden. Und dass es nicht „die Ärmsten der Armen“ waren, die sich auf den oft beschwerlichen Weg machten, denn Reisen kostete Geld, und Auswanderung war eine der teuersten Arten zu reisen in der damaligen Zeit. Aus Württemberg seien bereits im späten 18. Jahrhundert viele Menschen ausgewandert – teils in die „Großreiche des Ostens“, also ins Habsburgerreich oder ins Zarenreich, teils aber auch schon nach Amerika, in die neue Welt im Westen. Die Hauptmotivation sei immer eine ökonomische gewesen.

Als Gründe nannte Dr. Lotterer unterschiedlichste Ursachen: Bevölkerungsdruck und wirtschaftliche Not, Abenteuerlust, politische und religiöse Verhältnisse. Zwischen 1830 und 1930 waren es sechs Millionen Auswanderer, die ihr Glück und eine neue Heimat suchten. Dabei war die Auswanderung ein hoheitlicher Akt, so musste eine sogenannte „Abzugserlaubnis“ bei den Ämtern beantragt werden und es waren die Vermögens- und Erbschaftsangelegenheiten abzuwickeln.

Eine wichtige Quelle hat Jürgen Lotterer, der im Stadtarchiv Stuttgart für das Sachgebiet „nichtamtliche Überlieferung“ zuständig ist, in einem Familiennachlass gefunden: die „Beschreibung meiner Reise nach Charlestown“, die Eber­hardine Christiane Lotter 1786/87 handschriftlich verfasst hat. Sie war ihrem Mann nach South Carolina gefolgt, um zu sondieren, ob sie dort mit der gesamten Familie ein neues Leben aufbauen könnte.

In dieser Überlieferung sind auch die beiden Owener Brüder Christoph Friedrich und Johann Christian Schmid (1745 bis 1819 bzw. 1750 bis 1801) erwähnt. In Charleston machten sie als Kaufleute, Geldverleiher und Reisplantagenbesitzer eine Karriere, wie sie ihnen in der württembergischen Heimat mit ihren Zunftzwängen niemals möglich gewesen wäre.

Die Bernhardskapelle bot den angemessenen Rahmen für das historische Thema. Dr. Jürgen Lotterer und Dr. Manfred Waßner, Leiter des Kreisarchivs Esslingen, nutzten vor Beginn des Vortrags die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch.