Das Owener Geschichtshaus

Das Owener Geschichtshaus

Am 19. November 2011 war es soweit. Nach langer Planung, vielen Gesprächen zwischen allen beteiligten Gremien und mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand – an welchem sich der Alt-Owen Förderkreis e.V. mit 25.000 Euro beteiligte – wurde das Geschichtshaus, in früheren Jahren gerne, aber nicht korrekt als „Beginenklause“ bezeichnet, mit einem feierlichen Festakt eröffnet.

Die Aufnahme, um das Jahr 1936 entstanden, zeigt das Geschichtshaus, im Erdgeschoss noch mit dem Priban´schen Laden, links daneben die „Wirtschaft & Metzgerei zur Traube“, die beim Jagdfliegerangriff im April 1945 zerstört wurde. Im Bildvordergrund links ist das Gasthaus „Post“ zu sehen, das den Angriff unbeschadet überstand, später jedoch abgerissen wurde.

Für alle Owener Bürger, aber auch für unsere geschätzten Besucher von auswärts bietet das Geschichtshaus Einblicke und Reminiszensen zu mehr als 750 Jahren Leben unter der Teck! Eine Ausstellung mit Exponaten aus der Geschichte Owens bietet interessante – und zum Teil auch lehrreiche – Einblicke in das Leben und Treiben in den vergangenen Jahrhunderten bis in die Gegenwart. Überzeugen Sie sich bei einem Besuch, dass es einiges zu sehen und zu erzählen gibt.

Das Geschichtshaus hat seine ganz eigene Geschichte

Die Bezeichnung „Beginenhaus“ geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als das Gebäude irrtümlich als das Wohnaus dieser mittelalterlichen Schwesterngemeinschaft angesehen wurde. Der Owener Pfarrer Paul Rooschüz schreibt auf Seite 142 seiner 1884 im Verlag von W. Kohlhammer gedruckten Ortsgeschichte: Früher befand sich hier eine Beguinenklause, getrennt vom Kloster, aber ohne Zweifel in der Nähe desselben gelegen. Nach einer ziemlich sichern Überlieferung war dieselbe nämlich in dem Hause, das jetzt Kaufmann Bepler inne hat. […] Das Bestehen einer Beguinenklause in Owen ist von Crusius und besonders auch von Sattler bezeugt. Als die Kaufleute Priban das Haus 1936 kauften und das historische Fachwerk freilegen ließen, wurde auch die Inschrift unter dem Fenster des nordöstlichen Anbaus angebracht und verfestigte damit den Irrtum.

Dendrochronologisch gesichert: das Baujahr 1498

Auf der historischen Flurkarte von 1828 ist zu sehen, dass das Gebäude einst vor einer Straßengabelung stand. Die exponierte Lage des Hauses und seine außergewöhnliche Bauausführung lassen den Schluss zu, dass es als Gasthaus oder Herberge erbaut worden sein könnte. Jedoch ist bis heute der Bauherr des Gebäudes nicht bekannt. Dendrochronologische Untersuchungen an den Bauhhölzern ergeben als Bauzeit das Jahr 1498. Die in der Stube im Obergeschoss erhaltene Bohlendecke ist ein halbes Jahrtausend alt und ebenso alt sind die in der Wand freigelegten Hölzer. Und das mit Holznägeln verzapfte Fachwerk ist als sogenanntes „Sichtfachwerk“ konstruiert – für die damalige Zeit eine moderne Fassade.

Eine zweite Bauphase ist für das Jahr 1521 nachgewiesen. Damals wurde das Erdgeschoss quer in drei Teile gegliedert. Die tiefgreifendste Umbauphase erfolgte um 1740. Das Gebäude erhielt einen neuen Keller, ein vorhandener wurde verändert. Im Dachstock wurde ein zusätzlicher Wohnraum geschaffen und die Fassade erhielt größere Fenster. Die letzte große Veränderung erfolgte dann im Jahr 1811. Mit dem nordöstlichen Eckanbau erhielt das Gebäude seine heutige äußere Gestalt.

Bei der Errichtung des Hauses wurde der Dachstock als offener Dachraum angelegt. Das dreigeschossige Dachwerk wurde wie auch das übrige Fachwerk des Hauses aus frisch geschlagenen Eichenhölzern gezimmert. Dies ist schon deshalb eine Besonderheit und gibt dem Geschichtshaus einen einzigartig zu nennenden Rang, weil gegen Ende des 15. Jahrhunderts bevorzugt mit Nadelhölzern gebaut wurde, die geradwüchsig und langstämmig waren.

Der außergewöhnliche Anbau auf der Ostseite des Hauses – im Aufriss des Gebäudes auf der rechten Seite als „Zwerchbau“ (siehe auch: Zwerchhaus) sichtbar – wurde im ersten Obergeschoss wohl als Küche genutzt. Der darüber liegende Dachraum war durch eine Fachwerkwand vom übrigen Gebäude abgetrennt und durch eine Tür begehbar. Er diente sehr wahrscheinlich als Räucherkammer; die Verrußungen im darüber liegenden Dachwerk legen diesen Schluss nahe. Der Küchentrakt stützt die Vermutung, dass das Haus als Gasthaus genutzt wurde.