Charte von Schwaben

Die „Charte von Schwaben“ im Maßstab 1:86 400

Zum Ende des 18. Jahrhunderts bestand in Europa wachsender Bedarf an topographisch genauen Karten. Die alten Verzeichnisse, Lagerbücher und Forstkarten genügten den Ansprüchen nicht mehr. Frankreich war um diese Zeit führend auf dem Gebiet der Geodäsie und Kartographie. Hier entstand ein topographisches Kartenwerk, die „Carte géometrique de la France“ im Maßstab 1:86 400, das sogenannte Cassinische Kartenwerk, benannt nach seinem Schöpfer César François Cassini de Thury. In Südwestdeutschland, das eine lange kartogrphische Tradition besaß, gab das Cassinische Kartenwerk die Anregung zur „Charte von Schwaben“ im gleichen Maßstab (1).

Die „Charte von Schwaben“ umfasst 56 Blätter und erschien beim Verlag Johann Georg Cotta in Tübingen. Je nach Bearbeitungsgebiet und Herausgabejahr hat das Kartenwerk auch die Bezeichnungen „Charte von Wirtembeg“, „Charte von Württemberg“ und „Topographische Charte von Schwaben“. Alle Blätter enthalten auf dem Blattrand neben dem Titel den Zusatz „Trigonometrisch aufgenommen und gezeichnet von …“, womit auf die Triangulation als das Verfahren der geodätischen Aufnahme hingewiesen wird. Die Triangulation ist eine geometrische Methode der optischen Abstandsmessung durch genaue Winkelmessung innerhalb von Dreiecken. Mit dieser schon in der Antike bekannten Methode wurde „eine genaue detaillierte Charte von ganz Wirtemberg […], worinnen nicht nur alle Städte und Dörfer und Fleken, sondern auch alle Berge und Thäler, Flüsse, Bäche und Wege angegeben sind“ (2) erstellt. >>> Die Karte vergrößern

Die vom Ehepaar Kommerell während der Ordentlichen Mitgliederversammlung dem Alt-Owen Förderkreis e.V. überreichte Karte – eine Reproduktion des Blattes 14 – ist für Owen vor allem deshalb interessant, weil sie neben der Aufnahme der Grundsituation – Siedlungen, Wege- und Gewässernetz, Waldgebiete – auch die Topographie mit einbezieht. So werden Geländeformen nicht mehr in „Maulwurfshügelmanier“ (3), sondern wie es heute üblich ist durch eine Art Schraffierung dargestellt. Die Stadt Owen ist mit dem Symbol für eine „Kleine Stadt“ mit noch bestehender Ummauerung dargestellt, deutlich zu erkennen ist die Unterscheidung nach Oberstadt und Unterstadt. Der Verlauf der Straße folgt der Situation im Jahr 1800 (4), als die Straße noch durch die Oberstadt führte. Am Wegenetz ist abzulesen, dass die Stadt Owen ihre Bedeutung für die Herzöge von Teck aus ihrer unmittelbaren Nähe zu deren Burg bezog. >>> Den Kartenausschnitt vergrößern

(1) Reproduktionen alter Karten. Hg. vom Landesvermessungsamt Baden-Württemberg. Erläuterungen von Hanspeter Fischer (1988). Lagerort der reproduzieren Originale: Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (vormals Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
(2) Fischer, Erläuterungen, S. 2.
(3) Ders., S. 6.
(4) Charte von Schwaben 1:86 400, Blatt 14 aus dem Jahre 1800. Reproduktion nach einem Original des Landesvermessungsamts Baden Württemberg. Alle Abbildungen auf dieser Seite einschließlich dem Kopfbild basieren auf der Reproduktion der „Charte von Schwaben“.