Ausfahrt zur Großen Landesausstellung

Ausfahrt zur Großen Landesausstellung am 7. Januar 2017

Es ist schon zur Tradition geworden, dass der Alt-Owen Förderkreis e.V. zum Jahresauftakt die Große Landesausstellung im Alten Schloss in Stuttgart besucht. Auch in diesem Jahr war es wieder eine Gruppe von 23 Teilnehmern, die dem „Schwabenmythos“ nachspürte.

In der Führung durch die Ausstellung unter dem Titel „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ wurde deutlich, dass man als „Reigschmeckter“ durchaus Schwabe werden kann, wie eine der Thesen der Landesausstellung lautet. Aber auch, dass das so geschichtsträchtige wie vielschichte Thema nicht leicht zu fassen ist. Die historische Entwicklung des Schwabenlandes durch den Lauf der Jahrhunderte hat eben keine historischen Anknüpfungspunkte an die Sueben, die Cäsar einst in einer Schlacht am Rhein besiegte, und doch zeigt das Replikat des Schädels der Moorleiche von Osterby unverkennbar einen Suebenknoten.

Aus dem mittelalterlichen Herzogtum Schwaben leiteten Herzöge, Könige und Kaiser ihre Herrscherlegitimation über den Südwesten ab. Ab dem Zeitalter der Reformation spielte die Religion eine identitätsstiftende Rolle, wie die mittelalterlichen Bistümer Schwabens, Konstanz, Augsburg und Chur, zeigen. Unter deren Einfluss blühten Handwerk und Kunst, wie zahlreiche Exponate zeigen, wie z.B. die Silberfiguren für die Konstanzer Bischofskirche oder reich mit Gold und Edelstein geschmückte Hostienmonstranzen. In diesem Zusammenhang blieben auch die Finanziers dieser Pracht nicht unerwähnt – die Kaufmannsgeschlechter der Fugger und Welser in Augsburg.

„Wo man schwäbisch schwätzt, da ist Schwaben“ ist ein Bonmot, wie in der Führung deutlich wurde. Der schwäbische Dialekt spielt zwar eine gewisse Rolle bei der Entstehung der „schwäbischen Identität“, kollidiert dann aber auch in den Grenzregionen mit anderen, in der Neuzeit politisch formulierten Identitäten.

Die in einem Durchgang beinahe nicht zu fassende Vielfalt in der Ausstellung – von Kaiser Barbarossa über Friedrich Schiller bis hin zu Gottliebe Daimler, weiter über Spätzlespressen, Viertelesgläser und die scheinbar urtypische schwäbischen Kehrwoche – zeigt auf jeden Fall eines: Im „Schwabenland“ ansässig zu sein verleiht nicht automatisch den Status „Schwäbin“ oder „Schwabe“ – „Schwabe“ ist, wer sich selbst als ein solcher fühlt.

Mit dieser neu gewonnen Erkenntnis oder dem Bewusstsein, es schon immer so gehalten zu haben, begab sich die Gruppe dann zum gemeinsamen Mittagessen in Carls Brauhaus, um in entspannter Runde über die Eindrücke aus der Ausstellung zu plaudern und – natürlich – echt schwäbische Gerichte zu verzehren. In dieser gemütlichen Atmosphäre war dann auch – klar, auf schwäbisch – zu hören, „es heb sich glohnd“ und den wirklich „pfundigen“ Katalog „draget mr au no hoim“.

Abfahrt am Bahnhof Owen bei klirrender Kälte und gespannter Erwartung Nach der Führung gemeinsames Mittagessen in gemütlicher Atmosphäre

Quelle Headerbild: © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Foto: Hendrik Zwietasch